Neues ausprobieren
Unser Alltag ist geprägt von Routinen und Gewohnheiten. Sie erleichtern vieles und geben Sicherheit. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass Veränderungen zunächst ungewohnt oder anstrengend wirken.
Schon kleine neue Erfahrungen helfen dabei, den eigenen Blick zu erweitern. Oft entstehen daraus neue Ideen, positive Erlebnisse oder etwas mehr Abwechslung im Arbeitsalltag.
Was sagt die Forschung?
Neue Erfahrungen fördern Lernprozesse im Gehirn und stärken unsere Fähigkeit, flexibel mit Veränderungen umzugehen. Neue Reize aktivieren zudem das Belohnungssystem im Gehirn und unterstützen die Gedächtnisbildung. Bereits kleine Veränderungen können dazu beitragen, Offenheit und Kreativität zu fördern. Und wer die eigene Arbeit in kleinen Schritten aktiv mitgestaltet, bekannt als sogenanntes Job Crafting, erlebt sie häufig als sinnvoller und motivierender.
Wochenimpuls/Mini-Experiment
Mach diese Woche einmal etwas anders als sonst. Zum Beispiel:
- einen anderen Arbeitsweg wählen
- mit einer anderen Person zu Mittag essen
- ein neues digitales Hilfsmittel ausprobieren
- eine neue Frage in einer Sitzung stellen
- einen kurzen Spaziergang in der Pause machen, anstatt sich einen Kaffee zu holen
- eine Kollegin bitten: «Erklär mir mal, woran du gerade arbeitest»
- an einem anderen Arbeitsplatz arbeiten
- eine Funktion in einem bekannten Programm ausprobieren, die man noch nie genutzt hat.
Im Anschluss reflektiere kurz (drei Minuten), was du dabei entdeckt oder erlebt hast und womit du nicht gerechnet hättest.
Wissenschaftliche Hintergründe
Routinen und Gewohnheiten
Ein grosser Teil unseres Alltagsverhaltens läuft automatisiert ab: In Tagebuchstudien wurde rund 40 Prozent des täglichen Verhaltens als gewohnheitsmässig eingestuft, also fast täglich im selben Kontext ausgeführt. Gewohnheiten sparen kognitive Energie, machen aber auch weniger offen für Alternativen.
Publikation:
- Wood, W., Quinn, J. M., & Kashy, D. A. (2002). Habits in everyday life: Thought, emotion, and action. Journal of Personality and Social Psychology, 83(6), 1281–1297.
Job Crafting
Mitarbeitende gestalten ihre Arbeit aktiv mit, indem sie Aufgaben, Beziehungen oder die eigene Sicht auf ihre Arbeit verändern. Eine Meta-Analyse bestätigt Zusammenhänge mit Arbeitsengagement und Zufriedenheit.
Publikationen:
- Wrzesniewski, A., & Dutton, J. E. (2001). Crafting a job: Revisioning employees as active crafters of their work. Academy of Management Review, 26(2), 179–201.
- Rudolph, C. W., Katz, I. M., Lavigne, K. N., & Zacher, H. (2017). Job crafting: A meta-analysis of relationships with individual differences, job characteristics, and work outcomes. Journal of Vocational Behavior, 102, 112–138.
Neugier fördert Lernen
Wer neugierig ist, lernt besser, und zwar auch Dinge, die nur nebenbei auftauchen. Neugier aktiviert denselben dopaminergen Kreislauf.
Publikation:
- Gruber, M. J., Gelman, B. D., & Ranganath, C. (2014). States of curiosity modulate hippocampus-dependent learning via the dopaminergic circuit. Neuron, 84(2), 486–496.