Den eigenen Einfluss entdecken


Veränderungen gehören zum Arbeitsalltag – sei es durch neue Aufgaben, organisatorische Entwicklungen oder persönliche Veränderungen. Gerade in solchen Situationen richten wir unsere Aufmerksamkeit häufig auf Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Das kostet Energie und kann zu Frustration führen.

 

Wer den Blick stattdessen bewusst auf den eigenen Handlungsspielraum richtet, gewinnt Energie, Klarheit und Gelassenheit zurück – und erlebt, dass auch kleine Entscheidungen einen Unterschied machen.

Was sagt die Forschung?

Das Erleben von Selbstwirksamkeit (und damit auch die Klarheit zum Handlungsspielraum) gehört zu den wichtigsten Schutzfaktoren für Motivation, Gesundheit und den konstruktiven Umgang mit Veränderungen. Menschen, die ihren Fokus auf beeinflussbare Aspekte richten, erleben Veränderungen häufig als besser bewältigbar und können dieses Erleben auch positiv umsetzen.

Albert Bandura hat das Konzept der Selbstwirksamkeit geprägt. Er zeigte, dass Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit bei Rückschlägen schneller wieder ansetzen, mehr Ausdauer zeigen und weniger zu Stress neigen, weil sie sich als handlungsfähig erleben. Selbstwirksamkeit entsteht vor allem durch eigene Erfolgserlebnisse, auch kleine. Genau hierauf bezieht sich unser Mini-Experiment.

Wochenimpuls/Mini-Experiment

Frage dich: «Worauf habe ich heute Einfluss?»

Nimm dir drei Minuten Zeit und notiere dir drei Dinge, die du heute bewusst beeinflussen kannst. Zum Beispiel:

  • wie du ein Gespräch beginnst
  • wie du auf eine unerwartete Situation reagierst
  • ob du Unterstützung anbietest
  • ob du dir eine kurze Pause gönnst

Im Anschluss reflektiere kurz (drei Minuten), was dir aufgefallen ist, nachdem du deinen Blick auf deinen eigenen Handlungsspielraum gerichtet hast.

 

 

Wissenschaftliche Hintergründe

Locus of Control
Der Locus of Control beschreibt, wie stark eine Person davon überzeugt ist, dass Ereignisse und deren Folgen vom eigenen Verhalten abhängen. Bei einer internalen Kontrollüberzeugung sieht sich die Person selbst als Ursache: Was geschieht, hängt von den eigenen Fähigkeiten und Anstrengungen ab. Bei einer externalen Kontrollüberzeugung werden Ereignisse eher Glück, Zufall, Schicksal oder mächtigen anderen Personen zugeschrieben. Rotter verstand dies als generalisierte Erwartung, die sich über viele Situationen hinweg zeigt.

Publikationen:

- Rotter, J. B. (1966). Generalized expectancies for internal versus external control of reinforcement. Psychological Monographs: General and Applied, 80(1), 1–28.

- Covey, S. R. (1989). The 7 habits of highly effective people: Restoring the character ethic. New York: Simon & Schuster.

 

Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy)

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung einer Person, eine bestimmte Handlung aus eigener Kraft erfolgreich ausführen und damit ein angestrebtes Ziel erreichen zu können, auch unter schwierigen Bedingungen. Im Unterschied zum Locus of Control geht es nicht um die allgemeine Frage, ob Ereignisse beeinflussbar sind, sondern darum, ob ich mir selbst zutraue, das Nötige zu tun. Bandura nennt vier Quellen: eigene Erfolgserlebnisse (die wichtigste), stellvertretende Erfahrungen durch Beobachtung anderer, verbale Ermutigung sowie die Wahrnehmung eigener körperlicher und emotionaler Zustände.

Publikationen:

- Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215.

- Vertieft in: Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: W. H. Freeman.